Ein Dorfverein klopft an das Bayernligator

Während in der Landesliga Nordwest mit dem VFL Frohnlach und Euerbach/Kürzberg sowie aktuell auch Viktoria Kahl aus finanziellen Erwägungen sich aus der Landesliga verabschieden, muß man sich beim TuS Röllbach ganz anderen Fragen stellen. Aktuell deshalb ein Interview mit dem TuS-Vorsitzenden Reinhold Zimlich.

Frage: Sie sind schon sehr lange Vorsitzender beim TuS. Lust oder Sucht ?

Ich bin seit 31 Jahren 1. Vorsitzender beim TuS Röllbach. Lange Funktionärszeiten haben im Verein Tradition. Mein Vorgänger Hermann Schwing war 34 Jahre Vorsitzender, meine beiden Stellvertreter B. Speth und D. Schwing sind genau so lange in ihren Ämtern wie ich, und die beiden weiteren 2. Vorsitzenden Heribert Friess und Herbert Frankenberger sind ebenfalls bereits seit über 20 Jahren in der Vorstandschaft. Das sind Beispiele aus der Vorstandschaft. Auch im Trainer- und Betreuerbereich, in der Jugendarbeit, Platzwart, etc. gibt es hier eine Vielzahl von Personen, die bereits über 2 teilweise auch drei  Jahrzehnte dabei sind. Wir haben allerdings auch eine ganze Anzahl junger Leute im Verein, die aufgrund ihres Alters noch nicht so lange dabei sind, die allerdings auch ganz wichtige Postionen besetzen, so z.B. Arno Hofmann als Schriftführer und Alexander Heider als Sportlicher Leiter, der alles rund um die Aktiven verantwortet. 

Ich kann für das warum ja eigentlich nur für mich sprechen. Ich hatte tolle Jahre als Kind, Jugendlicher und aktiver Fußballer beim TuS. Dafür bin ich sehr dankbar, und möchte dem Verein, der Jugend  aber auch der Gesellschaft etwas zurückgeben. Natürlich geht das alles nur, wenn die Ehefrau hier mitspielt, bzw. in meinem Fall genauso Vereinsmensch ist, und auch der Arbeitgeber, bei mir die Sparkasse Miltenberg-Obernburg, entsprechendes Verständnis aufbringt.

Frage: In Ihre Zeit als Vorstand fallen große Erfolge des TUS.

Zunächst einmal begann der neue Vorsitzende im Jahre 1992 mit dem Abstieg in die Kreisklasse. „Das wäre mit H. Schwing nicht passiert“, mußte ich mir damals in Röllbach anhören. Allerdings hat das meinen Ehrgeiz auch angestachelt. Es folgten Meisterschaften, aber auch Abstiege. So richtig aufwärts ging es ab 2005. Mit der Meisterschaft in der Kreisliga unter Werner Ball war auch der Aufstieg in die Bezirksliga verbunden. Insgesamt 11 Jahre spielten wir in dieser Liga, in den ersten Jahren vornehmlich gegen den Abstieg, später eigentlich nur noch um Meisterschaft und Aufstieg. Unvergessen bereits die Meisterschaft im Jahr 2012 unter Trainer Marc Steenken , als uns der Aufstieg in die Landesliga nur deshalb verwehrt wurde, weil durch die Abschaffung der BOL, der Meister einmalig kein Aufstiegsrecht hatte. Vizemeisterschaften und Relegationsspiele folgten, ehe 2016 die Mannschaft erneut und diesmal ungeschlagen die Meisterschaft erreichte. Nun gab es kein Halten mehr, die Mannschaft stieg in die Landesliga auf, für ein oder zwei Jahre, so das eigentliche Ziel innerhalb des Vereins. Nach insgesamt vier Saisons, meist im Tabellenkeller, hatten wir in der abgebrochenen Saison 19/21 sogar das Glück, dass wir auf einem Abstiegsplatz liegend, durch den Rückzug des VFL Frohnlach, die Klasse halten konnten. Wahrlich erfolgreiche Jahre für den Verein.

Frage: Es gibt sicherlich viele Gründe für diese Erfolge, welche sind für Sie die wichtigsten ?

Da sind zum einen unsere Spieler zu nennen. Die Gebrüder Florian und Alexander Grimm, aber auch Fabian Wolf, Erich Giesbrecht, und auch Maximilian Schreck, sind alles überragende Fußballer, die trotz ihres Können den TuS Röllbach nie verlassen haben. Von der Jugend bis heute, nur für unseren TuS gespielt haben. Ein, wie ich finde, Novum in der heutigen Zeit. Dazu kamen Spieler wie Mario Ackermann und Rene Hagendorf, die nach ihrer Jugendzeit bei Viktoria Aschaffenburg zum TuS kamen und ebenfalls mittlerweile schon fast 10 Jahre beim Verein spielen. Apropo Viktoria. Mittlerweile haben wir eine ganze Anzahl junger Spieler aus dem Landkreis, die bei der Viktoria ausgebildet wurden, und heute bei uns kicken. Vorbildlich ist bei unserer Truppe die Kameradschaft, etwas was in jedem Verein von der A-Klasse bis zur Bezirksliga Groß geschrieben wird, je höher man kommt, aber immer weniger vorfindet. Ich bilde mir ein, dass wir da eine rühmliche Ausnahme bilden.    

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt, sind unsere Trainer. Wir hatten das Glück, dass in den letzten 20 Jahren immer die richtigen Leute zur richtigen Zeit bei uns waren, und alle dabei lange Dienstzeiten bei uns hatten. Bei Werner Ball, waren es vier Jahre, Marc Steenken blieb 7 Spielzeiten, und bei Albano Carneiro waren es am Ende auch über  6 Jahre.

Dass bei einer solch positiven Entwicklung im Hintergrund viel Arbeit zu leisten ist und eine ganze Menge Ehrenamtlicher nötig sind, versteht sich von selbst. Ob Jugendtrainer und –betreuer, der TuS spielt schon seit vielen Jahren mit den Nachbarvereinen in der JFG Team Spessart zusammen, aber auch Betreuer rund um das Team, vom Busfahrer Jochen Schell bis zum Torwarttrainer Jürgen Ackermann, es macht hier jeder einen richtig guten Job, und hat damit auch seinen Beitrag zum Erfolg geleistet.

Natürlich bedarf es auch entsprechender Sportplätze, die dem TuS mit Grund und Boden gehören, und von Charlie Speth als Platzwart in einen sehr guten Zustand versetzt werden. Die Mähroboter heißen bei uns Berthold Speth und Rudi Sendelbach und sind mindestens genauso gut und zuverlässig wie ihre „elektrischen Kollegen“. Nicht vergessen möchte ich, dass die Hermann-Schwing-Turnhalle Vereinseigentum ist, und von den Mitgliedern des Vereins in Eigenregie betrieben wird. Hier finden, neben der sportlichen Betätigung der Mitglieder, wie wohl in jedem Verein, Feierlichkeiten des Vereins, auch alle möglichen Festivitäten statt, um die Vereinskasse entsprechend zu füllen.

Ganz klar „Der Erfolg hat viele Väter“, aber nur gemeinsam mit vielen, vielen Helfern, kann er überhaupt erst möglich gemacht werden!

Frage: Und wie soll es nun weitergehen ?

Das ist eine sehr gute Frage, und ich würde gerne mal in eine Glaskugel schauen. Aber im Ernst, dass die Mannschaft jemals an die Pforten der Bayernliga anklopft, schien mir bis zum Herbst 2021 vollkommen illusorisch. Nun ist es aber so weit, und wenn die Mannschaft es sportlich schafft, und es auf sich nehmen möchte, ist es meine Aufgabe als Funktionär, die entsprechenden Weichen dafür zu stellen. Vorab mal, der TuS hat sicherlich nicht die Voraussetzungen für solch eine hohe Liga. Im Nachwuchsbereich mit den Nachbarvereinen zusammen,  bei der 2.Mannschaft ebenfalls in einer Spielgemeinschaft. Dem stehen Vereine gegenüber, mit teilweise drei und noch mehr Mannschaften im Seniorenbereich, in der Jugend alle Mannschaften  alleine besetzt oder sogar Jugendleistungszentren,  und Geldgeber, die nicht unerhebliche Summen Jahr für Jahr in den Spielbetrieb investieren. Mit all dem kann der TuS bei weitem nicht mithalten. Der sportliche Reiz, es all denen aber zu zeigen, dass ein „Dorfverein“ mit bescheidenen Mitteln und ohne Großsponsor in einer solchen Liga auch mal spielen kann ist enorm.

Frage: Wie will man das konkret angehen ?

Der TuS Röllbach kann das sicherlich alleine nicht oder nur sehr schwer stemmen. Die organisatorischen Aufgaben mit noch weiteren Auswärtsfahrten, Auflagen seitens des Verbandes und einiger Dinge mehr, sind enorm, aber gerade noch machbar von unseren Ehrenamtlichen . Der noch höhere Aufwand für unsere Trainer und der Mannschaft und damit verbunden auch deutlich höhere Kosten sind ein größeres Problem.

Der TuS Röllbach ist ein Verein, mit über 900 Mitgliedern, eigenen Vereins- und Sportanlagen, ohne Investitionsstau, wirtschaftlich stark, schuldenfrei und somit kerngesund! So soll es aber auch bleiben.

Wir werden bisher unterstützt von einer Anzahl Unternehmen innerhalb Röllbachs und der Umgebung, mittels Trikot- und  Bandenwerbung sowie der Stadionzeitung.

Das wird für die neue Liga aber nicht ausreichen. Den Mehraufwand für die Bayernliga schätze ich auf rund 20 TEUR, diesen gilt es zu decken.

Frage: Und wer soll helfen?

Angeblich tut sich der Untermain was die Unterstützung von Sportvereinen durch die Wirtschaft betrifft, etwas schwer.

Wir bitten deshalb den gesamten Landkreis Miltenberg mit seinen wirtschaftlich starken Unternehmen um Mithilfe. Wir stellen uns vor, dass ca 15-20 Firmen/Unternehmen mit einem Betrag von einmalig 1-2 TEUR unsere „Finanzierungslücke“ schließen.

Was wird im Gegenzug geboten?

Wer nicht genannt werden möchte, kann uns natürlich per Spende unterstützen. Weiterhin haben wir 17 Heimspiele, bei denen ein „Sponsor of The Day“ mittels Banner, Stadionanzeige und Durchsagen auf sich und seine Produkte aufmerksam machen könnte. Die Spiele werden auch in Sporttotal.tv live übertragen. Auch das kann genutzt werden. Als Reduzierung des Eintrittes kann auch allen Zuschauern ein besonderes Feeling sprich positives Firmenimage rübergebracht werden.                        

Gibt es weitere Angebote ?

Bei Bedarf würden wir auch unser Vereinsgelände zu Verfügung stellen, z.B. für Firmen- und/oder Mitarbeiterevents. Kleine Anmerkung als Referenz: Wir haben bereits den Hörmann-Cup 2008 ausgerichtet, mit 35 Mannschaften aus 16 Ländern Europas und über 1000 Teilnehmern/Zuschauern. Oder für die Sparkasse ein Mitarbeiterfest und die Mini-WM abgehalten. Neben unseren Außenanlagen stehen weitere Räumlichkeiten, wie Turnhalle, Gaststätte, Versammlungsraum mit Bar und Kegelbahnen zur Verfügung. Für Wünsche und Anregungen sind wir hier vollkommen offen.  

Frage : Bedeutet das für ihre Nachbarvereine nicht eine „erdrückende Konkurrenz“ ?

Ein ganz klares Nein von unserer Seite. Um es einmal deutlich zu sagen, wir wollen niemanden etwas wegnehmen! Wenn uns Firmen oder Privatpersonen unterstützen, wird das sicherlich nicht zu Lasten der Vereine im „eigenen Ort“ gehen, dafür sind die Beträge die im Raum stehen viel zu niedrig.  Wir spielen im übrigen unsere Heimspiele generell Samstags Nachmittag, damit nehmen wir niemanden Zuschauer weg, da alle Amateurklassen grundsätzlich Sonntags spielen. Nicht verschweigen möchte ich die Ausnahme, der TSV Amorbach spielt seine Heimspiele seit er in den 90iger Jahren ein Jahr Landesliga spielte immer Samstags.  (Falls man uns aber als Konkurrenz sieht, kann man ja die eigenen Spiele auf die Samstage legen, wo der TuS Röllbach auswärts spielt).

Auch sonst wollen wir unseren Nachbarn nichts weg nehmen. Wir sind der einzige Verein im Landkreis Miltenberg, der in den Verbandsligen spielt. Folglich bieten wir Fußballern auch nur die einzige Möglichkeit um höherklassig zu spielen. Das ist nicht geprotzt, sondern die Wahrheit! Wer es in diesen Klassen versuchen möchte, ist bei uns herzlich willkommen. Allerdings haben nicht so viele die Befähigung dazu und sie müssen wissen, dass es bei uns kein Geld gibt. Benzinkosten werden gezahlt und Prämien bei Erfolg, die allerdings relativ niedrig sind. Das ist unser Erfolgsrezept und deshalb gehen wir mit der Höherklassigkeit auch absolut überschaubare Risiken ein.              

Im übrigen sind unsere Spieler mit dem Aufwand den sie betreiben, echte „Sponsoren“ des Vereins.

Frage: Und doch gibt es sicherlich auch Neider ?

Neider hat nur der nicht, der nichts leistet. Ich lebe nach dem Motto: „Mitleid kriegt man geschenkt, Neid muß man sich erarbeiten“.

Wir versuchen mit anderen Vereinen ehrlich umzugehen, so ist es für uns selbstverständlich, dass für Spieler, die zu uns kommen „Ablöse“ gezahlt wird, und wir sind auch stolz darauf, dass wir bisher noch mit jedem Verein einen Konsens gefunden haben. Im übrigen verlassen uns auch immer wieder Spieler, weil ihnen der Aufwand aufgrund Schule, Beruf oder Familie zu hoch ist, häufig zurück zum Heimatverein und auch hier können wir sagen , dass das alles sauber und seriös abläuft. Ich wüsste keinen Spieler, der nicht nach wie vor gerne beim TuS vorbeischaut, ich wüsste aber auch keinen Spieler, der nicht nach wie vor gerne willkommen bei uns ist! 

Im übrigen wird der TuS Röllbach nicht ewig so hoch spielen, und wenn man sich dann auf Kreisebene in den entsprechenden Ligen auf dem Sportplatz trifft, möchte ich jedem in die Augen schauen können.

Frage: Also gibt es keine “Feinde“ oder „Feindbilder“?

Das kann ich so nicht stehen lassen. Der größte Feind des Amateurfussballs und das gilt für alle kleinen Vereine, ist Sky und Konsorten. Die zum Teil schon dramatischen Zuschauerrückgänge auf unseren Sportplätzen haben im hohen Maße damit zu tun, dass rund um die Uhr alle Spiele aus allen Ligen live übertragen werden. Das ist vor allem auch Samstagnachmittags festzustellen. Dr. Koch hat zwar immer gemeint, er vertrete die Interessen der Amateure, die Kluft wurde aber immer größer. Ändern können wir das natürlich nicht, ich bin aber jedem dankbar, der den Amateurfussball unterstützt. Denn jeder Euro für Sky und Konsorten landet am Ende bei den „Profis“, wo es dann mit “Gejammere“ darum geht, ob ein „Fußballer“  im Jahr 24 oder 25 Millionen Euro verdient! Das hat  mit dem Fußball wie ich ihn kenne und liebe, nichts mehr zu tun! Sorry, ich unterstütze das nicht mehr!

Echten Fußball gibt es nur noch bei den Amateuren !!

 Also auf geht´s zum TuS !!